"Schleudertrauma" - und jetzt?

Das Trauma hinter dem Trauma auflösen... und den Energiefluss wieder ermöglichen.

Von Romi Staub

Grete* ruft an, weil sie meine Adresse von einer Bekannten erhalten hat. Ihre Stimme klingt unsicher und leise. Grete ist Pflegefachfrau in einer Abteilung für demenzkranke Menschen und hat vor einigen Monaten beim unverhofften Angriff eines Patienten ein Halswirbel-Trauma erlitten. Die Heimleitung tut sich schwer mit der ärtzlichen Diagnose, weil es "so etwas" noch nie gegeben habe. Die verschiedenen Therapien greifen nur bedingt und Grete schluckt ein ansehnliches Quantum an Medikamenten. Sie fühlt sich unverstanden und allein gelassen.

Beim ersten Besuch in der Praxis wirkt Grete körperlich und im Verhalten verkrampft und unsicher. Sie beschreibt einen eigenartigen Schleier vor den Augen, Schmerzen in Schultern, Armen und Händen, sowie ihre Unfähigkeit, sich konzentrieren zu können und dann - unter Tränen - den Verlust der Lesefähigkeit. Das trifft sie als begeisterte Leserin besonders hart.

Im Hypno-PowerCoaching wird Grete in eine mitteltiefe Trance versetzt, gerade so, dass ihr Unbewusstes hellwach meine Stimme hört und meine Fragen beantworten kann, während ihr Tagesbewusstsein in den Hintergrund tritt, quasi "schläft". Das ist nötig, damit der "Oberlehrer", der immer wieder einflüstert, was richtig oder falsch ist, was wir so nicht sagen oder tun können etc., jener Instanz Platz macht, die mit Gretes tiefem inneren Wissen verbunden ist. Gretes "Pförtner" lässt zudem nur das zu, was für sie im Augenblick verkraftbar ist. Sie wird sich später auch an das gesamte Geschehen erinnern können.

Befragt nach dem allerersten Ereignis, welches diese Beschwerden hervorrief, erlebt Grete in der Hypnose, wie die Hände der Hebamme bei der Geburt ihren Kopf unsanft und mit einem schonungslosen Ruck aus dem Uterus zerrten, was heftiges Erschrecken und einen solch starken Schmerz erzeugte, dass das Herz aussetzte und sie sofort reanimiert werden musste.**

Die anschliessende Überprüfung der Symptome (noch in Trance) zeigt zwar eine wesentliche Besserung, doch offenbart sie auch, dass noch weiter geforscht werden sollte.

Die Frage nach einem weiteren Ereignis, bei dem diese Beschwerden auftraten, fördert zutage, wie die etwa einjährige Grete im Kinderwagen sass und von ihrem sechs Jahre älteren Bruder herumgestossen wurde. Der Bruder rannte mit seiner Schwester auf einem Feldweg. Plötzlich verlor er die Herrschaft über das Gefährt, welches über den Wiesenrand hinausfuhr und, sich überschlagend, einen Abhang hinab stürzte. Grete fiel in die Wiese. Die herbeigeeilte Mutter stellte keine Verletzung fest und weil Grete rasch zu Weinen aufhörte, nahm sie an, es sei nichts passiert.**

Es braucht noch eine dritte Intervention. Dabei erfährt Grete, wie sie als Mutprobe vom 3-m-Brett einen "Köpfler" machen wollte und aus Angst im letzten Moment mit einem Ruck den Kopf nach hinten bog, so dass sie heftig mit dem Brustbein auf dem Wasser aufschlug. Der Aufprall raubte ihr einen Moment das Bewusstsein. In den nächsten Tagen hatte sie etwas Kopfschmerzen und leichten Schwindel. Beides verschwand alsbald auch wieder. Aus Angst vor Strafe erzählte Grete niemandem von diesem Vorfall.**

Nach dem Aufwachen aus der Hypnose öffnet Grete die Augen. "Der Schleier ist weg!" sind ihre ersten Worte. Sie steht auf, geht einige Schritte umher, wendet den Kopf - und ist erstaunt über diese Bewegung.

Im Laufe des weiteren Coaching-Prozesses gewinnt Grete auch ihre Lesefähigkeit und das Konzentrationsvermögen zurück. Sie kann die Medikamente rasch absetzen und findet sich im Leben wieder gut zurecht.

** Zur Auflösung der Traumata gehört in diesem Fall die Aussöhnung mit jedem einzelnen Ereignis und den jeweils beteiligten Menschen.

* Name und Umstände geändert.

 

Kriminalbeamtin... Seelsorgerin... Hofnärrin... Krisen-Coach... Hypnose-Coach...

Unterwegs im Lebensfluss.

Von Romi Staub

Ich war mit Leib und Seele Kriminalbeamtin. Die Begegnungen mit den vielen verschiedenen Menschen in ihren vielschichtigen, meist komplizierten Lebenssituationen haben mich genauso begeistert wie der Umstand, an keinem Tag und vor keinem Einsatz genau zu wissen, was mich erwartete. Dankbar blicke ich auf besonders aussergewöhnliche Einsätze zurück: z.B. gleich zu Beginn meiner Polizeikarriere 1973 durfte ich bei der Aufklärung in einem der ganz grossen Spionagefälle der Schweiz mitwirken. Ein Mann und eine Frau aus der damaligen DDR agierten unter falschen Identitäten als zurückgekehrtes Auslandschweizer-Ehepaar für den KGB. Die beiden wurden zu langjährigen Gefängnisstrafen verurteilt. Die Frau erkrankte im Gefängnis schwer, so dass ich sie auch während ihres längeren "Kuraufenthaltes" - unter speziellen Sicherheitsvorkehrungen - in Clavadel begleiten durfte. Oder als der junge Dalai Lama das Tibet-Kloster in Rikon besuchte, wurden Freiwillige gesucht, um für seine Sicherheit während des Aufenthaltes zu sorgen. Die Belehrungen im kleinen Kreis bleiben unvergesslich. Der Dalai Lama pflegte diese jeweils mit den Worten zu schliessen: "Bedenke: vielleicht ist auch alles ganz anders!" - um dann mit seinem berühmten Lachen den Raum zu verlassen. Ein Satz, eine Erfahrung, die mich geprägt haben.

Der Spionagefall hatte übrigens noch eine ganz besondere Überraschung für mich bereit: da war auch jener Polizei-Kollege involviert, der später mein Ehemann werden sollte. ...

Gwunderfitzig geworden?

Lesen Sie mehr darüber in den nächsten "Inspirationen".