Die Kunst des Zuhörens

Lauschen mit offener Seele und nichts erwarten.

Von Romi Staub.

Zuhören. Beobachten. Lauschen. Warten mit offener Seele, offenem Herzen. Leidenschaftslos, wunschlos, urteilsfrei, ohne Meinung - einfach nur den Worten lauschen, dem Redefluss, der Sprachmelodie.

Wünschen wir uns nicht alle so einen Zuhörer, so eine Zuhörerin, um das zu offenbaren, was uns im Innersten umtreibt an Ängsten, Sorgen, Fragen? Jemandem sein Herz auszuschütten - welch ein Segen!

Wenn es nur nicht so schwierig wäre, dieses (vor)urteilslose, nichtswissende Zuhören! Auch  in Beratungsberufen ist die Versuchung gross, sogleich ratschlagend, urteilend, (besser)wissend den Redefluss unseres Gegenübers bei der erstbesten Gelegenheit zu unterbrechen.

„Bleib gwunderfitzig!“ antwortete einmal ein ehemals bekannter Politiker auf eine Journalistenfrage. Dieses Gwunderfitzigbleiben kann helfen, achtsam auf das Unbekannte zu hören, auf das Geheimnis, das jeder Erzählung, jeder Lebensgeschichte innewohnt. Und dabei kommt mir gerade Hesse‘s Gedicht „Stufen“ in den Sinn: die berühmte Strophe „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne...“ - 
Ist nicht jedes Gespräch mit einem anderen Menschen immer von neuem wieder so ein Anfang?

Was ist das Geheimnis dahinter? - Geheimnisse offenbaren sich nur in den stillen Zwischenräumen des Wartens, Lauschens mit offenem Herzen, offenen Sinnen. Es ist ähnlich wie in der Musik: auch dort sind die Pausen, die stillen Zwischenräume entscheidend wichtig.

Keine Erwartung haben öffnet das Schatzkästlein mit Lösungen, Ideen, Möglichkeiten...

 

Kriminalbeamtin... Seelsorgerin... Hofnärrin... Krisen-Coach... Hypno-Coach...

Auf Ausnahmen hören.

Von Romi Staub

Wer hätte das gedacht bei der Vereidigung im Herbst 1973, im Hof des Schweizerischen Landesmuseums, dass ich mich dereinst oft und gründlich häuten würde, um immer näher zu den Menschen zu kommen, Menschen immer tiefer verstehen zu lernen – und um gleichzeitig immer näher zu mir, zu meiner Seele zu kommen, mich selber immer besser kennen zu lernen?

Als eine der ersten Frauen in das damals beste Polizeikorps der Schweiz aufgenommen zu werden – das war alles andere als seine Selbstverständlichkeit! Immerhin bewarben sich für die ursprünglich 2 Stellen rund 200 junge Frauen…

Dass ich gleich nach der Polizeischule aufs Land versetzt wurde, erfüllte mich mit Stolz und Freude. Auch wenn aller Anfang auch hier mehr als schwer war: schliesslich fassten die Kollegen, die altersmässig alle meine Väter hätten sein können, Vertrauen: im Spezialdienst wurden mir nicht nur “Schnäbeligschichte” sondern „richtige“ kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren anvertraut! Dazu kamen die verschiedenen Pikett- und Ausrückdienste, während denen ich so oft im Zusammenhang mit Todesfällen oder (geplanten) Suiziden in die Rolle der Seelsorgerin schlüpfen und Beteiligte wie Betroffene trösten oder ermutigen musste. Überall, in allen Einsatzbereichen, war es wichtig, genau hinzuhören, auch das Nichtgesagte erfassen zu können.

Mit der nebenberuflichen Weiterbildung in Psychologie und Philosophie gab ich erstmals meinem drängenden inneren Suchen nach – dass dies gleichzeitig die ersten Schritte weg von allem Vertrauten waren, sollte ich erst viel später merken.

Über ein kurzes Gastspiel als Personalfürsorgerin, wohin ich auf dem Berufungsweg gelangte, landete ich in der Asylgruppe der  Zürcher Fremdenpolizei, wo ich im Stundenlohn asylsuchende Menschen befragte, die sich in der Schweiz ein würdigeres Leben erhofften. Die Anleitung der Dolmetscher wie der Umgang mit den Asylsuchenden aus fremden Kulturen erforderte viel Fingerspitzengefühl und schulte Führungskompetenzen.

Am 1. November 1989 trat ich meine zweite Traumstelle an: Personalverantwortliche bei der Luftwaffe – auf einem Militärflugplatz – mit anfänglich 600 Mitarbeitenden und 57 Lernenden in handwerklich-technischen Berufen. Als Mitglied der Betriebsleitung war ich die Alibi-Frau im Kader und als Philosophin unter lauter Technikern eine Exotin.

Während der gut 10 Jahre in diese Position absolvierte ich als Ausgleich nebenher eine Ausbildung zur Körpertherapeutin und zur Geistheilerin. Dazu machte ich mich auf den Weg in vielseitige spirituelle Lehr- und Wanderjahre.

Im Mai 2000 war es dann soweit: nach der Weiterbildung in systemischen, lösungsorientierten Coaching-Methoden gründete ich meine eigene Coaching-Praxis und entwickelte bald darauf das „Coaching beim Golf“ (heute SolutionGolf). Diese Arbeitsweise brachte mir journalistischerseits den Titel „Hofnärrin“ ein.

Heute arbeite ich als Krisen-Coach – als Fährefrau an den verschiedenen Flussufern des Lebens. Meine Spezialgebiete sind die Übergänge in ihrer ganzen Vielschichtigkeit: von Lebenskrisen zu Chancen, von Erschöpfung zur Lebenskraft, von unfallbedingter Behinderung zu neuen Möglichkeiten, vom Ufer des Zurücklassens zum Ufer neuen Lebens...

Die Werkzeuge der klinischen Hypnose-Therapie ermöglichen, nicht nur Brücken über den gefährlich scheinenden Fluss zu bauen, sondern auch in seinen Untiefen angeschwemmte Hindernisse oder Blockierungen dauerhaft zu entfernen sowie aus seinen Tiefen Energie und Kraft für den Durchbruch zu neuen Ufern zu schöpfen.

Gwunderfitzig geworden?

Lesen Sie mehr darüber im nächsten Letter.